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Stoppt den
autoritären und undemokratischen EU-Grundlagenvertrag von Militarismus,
Polizeistaat, Todesstrafe und Sozialraub. Antikriegskomitee Kein Blut für Öl und Weltherrschaft sowie
Internationale Sozialisten
4.3.08
Ab
1.1.2009 gilt der neue EU-Grundlagenvertrag, der vom Bundesparlament bis
Sommer in diesem Jahr ratifiziert werden soll. Es ist dann vertragsmäßig
in der EU oberstes Gesetz und steht über dem Grundgesetz. Der
„Reformvertrag“ wird nicht mehr per Volksabstimmung ratifiziert werden,
sondern nur noch von den Parlamenten, weil sich sonst die französische und
niederländische Kapitalelite erst ein neues Volk suchen müssten.
Frankreich, Rumänien und zwei weitere Staaten haben ihn bereits
ratifiziert.
Dieser Vertag hat es in sich. Er bedeutet praktisch
einen Kulturwechsel in Europa. Militärisch soll die EU-Interventionsarmee
„zum Schutz von Handelsrouten und dem Fluss von Rohstoffen.“
(EU-Weißbuch, S. 33) ausgebaut werden, der Wandel von Verteidigungs- zu
Interventionsarmeen wird also vollzogen. Alle EU-Staaten werden
entsprechend zwingend aufrüsten müssen.
IMI-Flyer:
EU-Reformvertrag - Militarisierung durch die Hintertür Wenn ein Land
Aufstände im eigenen Land nicht niederschlagen kann oder will, können
EU-Truppen dort einmarschieren. Dieses Notstands- und Gewaltprogramm
„richtet
sich sowohl gegen EU-Mitglieder als auch gegen Drittstaaten…“
Der Verfassungsrechtler Prof.
Schachtschneider von der Universität Erlangen führt unter Punkt 15
aus, „Die Mitgliedstaaten verlieren weitgehend die Verteidigungshoheit
durch Integration der Streitkräfte in die gemeinsame Verteidigung.
Missionen außerhalb der Union zur Friedenssicherung, Konfliktbewältigung
und Stärkung der internationalen Sicherheit können Kriege sein, wie sie
gegen den Irak geführt wurden.“
Es gilt dann nicht mehr das Grundgesetz, sondern nur
der EU-Vertrag mit seinen Erläuterungen, der nur von den Staatschefs
verabschiedet wurde, sie wurden dazu überhaupt nicht legitimiert. Schäuble
konnte also ganz gelassen das Urteil über die Computerüberwachung über
sich ergehen lassen, denn in Zukunft kann er sowieso in Hinterzimmern die
Überwachung aushandeln.
Der Vertrag bestimmt das Gegenteil dessen, was in den
Parlamenten ausgehandelt wurde und zeigt in allen Punkten die Fratze des
Neoliberalismus gepaart mit dikatorischen Vollmachen für die Herrschenden.
Es gilt dann z.B. endgültig das Herkunftslandprinzip. Schachtschneider
schreibt: „8. Das Herkunftslandsprinzip/das Prinzip der gegenseitigen
Anerkennung entdemokratisiert weitgehend die Lebensverhältnisse der
Mitgliedstaaten, etwa im Lebensmittelrecht, im Dienstleistungs- und
Arbeitsrecht, weil nicht die eigenen Gesetze des Bestimmungslandes,
sondern die des Herkunftslandes maßgeblich (geworden) sind.“
An alle die ungeheuerlichen neuen Gesetze konnte die
europäische Bevölkerung sich schon weitgehend langsam umgewöhnen. Den
totalen Bruch mit dem gewohnten europäischen Recht und der Konvention zum
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten des Europarates von Rom
1950 leistet der EU-Grundlagenvertrag aber mit der 12. Erläuterung über
die Todesstrafe
und den Todesschüssen. Die Herrschenden fühlen sich aber genötigt, das im
Kleingedruckten schamhaft zu verstecken, damit die europäischen
Beschäftigten sich daran erst langsam gewöhnen können.
Im Vertrag selber heißt es noch Artikel
2.62 „Niemand darf zur Todesstrafe verurteilt oder hingerichtet
werden.“ In der 12. Erklärung, die die gleiche Verbindlichkeit hat
wie die Grundrechte selbst, heißt dann aber: „3. … a) Art. 2 Abs. 2
EMRK: Eine Tötung wird nicht als Verletzung dieses Artikels
betrachtet, wenn sie durch eine Gewaltanwendung verursacht wird, die
unbedingt erforderlich ist, um a) jemanden gegen rechtwidrige
Gewalt zu verteidigen; b) jemanden rechtmäßig festzunehmen
oder jemanden, dem die Freiheit rechtmäßig entzogen ist, an der Flucht zu
hindern; 4 c) einen Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig
niederzuschlagen“. b) Artikel 2 des Protokolls Nr. 6 zur
EMRK: „Ein Staat kann in seinem Recht die Todesstrafe für
Taten vorsehen, die in Kriegszeiten oder bei unmittelbarer Kriegsgefahr
begangen werden; diese Strafe darf nur in den Fällen, die im Recht
vorgesehen sind, und in Übereinstimmung mit dessen Bestimmungen angewendet
werden …“.
Die Polizeiführung kann nach eigenem Ermessen
feststellen, ob sie eine Demonstration für einen Aufstand hält, z.B.
denkbar in Rheinhausen, Rostock, Genua, der Bergarbeiterstreik oder
Leipzig 89. Damit wird nicht gesagt, dass ab 1.1. massenhaft die Köpfe
rollen, nein, das Gesetzt wird dann angewendet, wenn zur Niederschlagung
einer außerparlamentarischen Opposition keine andere Mittel mehr greifen
oder bei einem Hungeraufstand der Arbeiter.
Die Lebensmittelpreise stiegen laut Statistischem
Bundesamt im Januar um 7,7 %. Die Lebensmittel-Preissteigerungen sind
weltweit zu beobachten, z.B. China 20%, Indien 11% oder Burkina Faso bis
zu 65%. Es gab im Januar Riots in Mexiko. Im Senegal, in Mauretanien und
Kamerun schießt die Polizei und die Armeen nach heftigen Protesten auf
Demonstranten. Diese Möglichkeit will sich auch das europäische Kapital
offen halten. Die diktatorischen Vollmachen des Lissabonner
EU-Staatsvertrages bedeuten nicht, dass diese brutalen Maßnahmen von einem
Tag auf den anderen und stets benutzt werden. Es ist aber wichtig zu
betonen, dass diese mörderischen Vollmachten bei Bedarf zur Aufstands- und
Widerstandsunterdrückung sofort legal eingesetzt werden können. An vier
Kriege (Afghanistan, Irak, Gaza und Somalia) gleichzeitig haben wir uns ja
schon gewöhnt und da denken die Herrschenden, irgendwann werden sie sich
auch daran gewöhnen, alles nur Gewohnheitssache.
In
Europa aber trifft das Kapital auf eine besser organisierte
Arbeiterklasse, die zwar viel Geduld hat, die aber auch irgendwann zu Ende
ist. Spätestens bei der Nutzung der EU-Vollmachten. Bei den
Preissteigerungen bei den Lebensmitteln tritt die Arbeiterklasse massiv
auf, heute schon Polen, Ungarn, Slowenien (Foto), und wehe, es fällt ein
Schuss.
 Wir Linken müssen massiv das Reaktionäre am
EU-Vertrag bekannt machen. Vielleicht wird die eine oder andere
Arbeiterklasse in einem europäischen Land oder mehreren Ländern noch vor
dem 1.1.09 dagegen mobil machen. Aber auch, wenn wir den EU-Vertrag nicht
vor dem 1.1. verhindern können, wird die Arbeiterklasse viel besser
vorbereitet auf die Realisierung treffen können. Die Arbeiterklasse hat
eine viel bessere Antwort auf Kriege und Neoliberalismus, nämlich
Verschwisterung und Preisstopp, wie jetzt die Landlosenarbeiter in
Brasilien.
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