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Das Kapital erpreßt den Staat
- Werner Klein -
»Daimler-Chrysler geht möglicherweise in die USA«,
wußte Anfang Oktober 1999 der 'Stern' zu berichten. Der
Börsenkurs ging sofort um 2,5% hoch.
Angst besteht bei den Betriebsräten, weil dann mit der deutschen
Mitbestimmung nichts mehr wäre, also keine Aufsichtsratjobs
mehr für die Bürokraten. Angst besteht bei den Arbeitern,
weil dann in der der Zentrale Arbeitsplätze weggekürzt
werden würden und Angst besteht beim Staat, weil dann Gewerbe-
und Lohnsteuer wegfallen würden.
Aber alles war nur eine Ente und die Daimler-Manager verbreiteten,
daß sie dazu keine Stellung nehmen würden und ihr
Boß Schrempp kommentierte kurz: »Das ist alles Quatsch«.
War das vielleicht nur eine Erfingung des 'Stern'-Journalisten?
Es gibt in der Tat keine Logik für solch einen Schritt.
Der einzige Vorteil wäre, daß Daimler dann in den
US-Aktienindex aufgenommen würde, nachdem er aus dem sicher
unwichtegeren Euro-Stoxx rausgeflogen wäre.
Dafür müßte es dann aber hohe Steuern zahlen,
weil es eine Abschlussbilanz vorlegen müßte und dann
werden die vorher nicht realisierten Gewinne der Werterhöhungen
der Grundstücke, Wertpapiere usw. realisiert - es kämen
gut 17 Milliarden Mark Steuern zustande.
Dazu kämen noch die Proteste der Belegschaft und die Imageschäden
für Mercedes, das dann nur noch eine Tochter von Chrysler
wäre.
Der Hauptgrund aber, der dagegen spräche, sind die niedrigen
Steuern in Deutschland. Einmal zahlt Daimler hier gar keine,
weil er die Verluste aus der AEG-Misere vortragen darf, was noch
mal 17 Milliarden ausmacht, d.h., dass diese Verluste von den
heutigen Gewinnen abgezogen werden dürfen, bis sie aufgebraucht
sind. In den USA aber könnten die alten Verluste der AEG
nicht mehr abgezogen werden.
Zudem sind die laufenden Steuern hier viel niedriger. Der Steuersatz
liegt zwar bei über 50% und in den USA bei 35% plus regionalem
Steuersatz. Hier können aber die Kapitalisten viel mehr
von den Steuern absetzen, weshalb sie in Deutschland letztlich
niedriger kommen. Der Spiegel berichtete im Juni 99 (Nr. 25):
»In keinem anderen großen Industrieland, so errechneten
Fachleute der OECD, werden sowenig Gewinnsteuern eingetrieben
wie in Deutschland.
Aber den Versuch der gerade gewählten Sozialdemokraten,
die ungleiche Belastung per Gesetz zu korrigieren, quittieren
die betroffenen Unternehmen mit der Drohung, Zehntausende von
Arbeitsplätzen ins Ausland zu verlagern.«
Im letzten Satz liegt dann auch schon der Anhaltspunkt für
die 'Stern'-Meldung.
Wenn es schon keine Logik geben kann für die Verlagerung
der Daimler-Chrysler Zentrale, wie kommt dan der Journalist trotzdem
zu dieser Meldung?
Die einzige Antwort kann darin liegen, daß jemand wahrscheinlich
aus dem Daimler-Vorstand dieses Gerücht lanciert und dem
'Stern'-Reporter zutragen lassen hat.
Und wenn Daimler eine Zentrale-Verlagerung wirklich nicht vorhat,
dann war das nur eine Erpressung, und nichts anderes.
Zur Zeit wird in einer Arbeitsgruppe in Berlin beraten, die Möglichkeiten
für die Absetzungen von den Steuern einzuschränken.
Das würde Daimler zwar momentan noch nicht treffen, aber
wenn die AEG-Verluste vollständig angerechnet sind, dann
schon.
Also war das Ganze eine Warnung an die Rot-Grünen, ihre
Denkmodelle in dieser Arbeitsgruppe zu beenden. Es ist auch schon
recht still geworden um diesen Ausschuß.
Gleichzeitig soll die Regierung bei ihrer geplanten Steuersenkung
nicht zimperlich sein.
Die Erpressung zeigt wieder mal, daß die Marxisten mit
ihrer Staatstheorie, nach der das Kapital letztlich entscheidet,
vollkommen richtig liegen Auch heute bleibt diese Theorie gültig.
Diese Drohung zeigt wieder, daß dem Kapital die Wahlen
vollkommen gleichgültig ist, es will nur seine eigenen Interessen
durchsetzten.
In den Parlamenten kann nichts entschieden werden. Wollen wir
eine andere Gesellschaft, geht das nur über den Sturz des
Kapitals. Die totale, bedingungslose Enteignung kann nur die
einzigste Antwort sein.
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