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Vorsicht vor
Krawattennazis!
Wehret den Anfängen!
Stoppt Haider!
H Matthias Engel
Wer am 3. Oktober die Nachrichten verfolgt hat und menschenfreundlich
gesonnen ist, wird geschockt etwas gerufen haben wie: »Das
darf doch nicht wahr sein!« Aber es ist leider traurige
Tatsache: Die FPÖ, die sogenannten "Freiheitlichen"
unter Führung des als Rechtspopulisten bekannten Haider
kann sich als eigentlicher Gewinner der Wahl zum österreichischen
Nationalrat feiern.
Auf einmal kann eine Rechtsaußenpartei ganz oben, vielleicht
sogar bei der Regierungsbildung mitmischen! Die FPÖ hat
bei den Wahlen auf einen Schlag um satte 5,3% zugelegt auf 27,2%
und damit die ÖVP mit nur 26,9% übertrumpft.
Was ist los in Österreich? Soans deppert oder woas? Die
sozialdemokratische SPÖ unter Bundeskanzler Viktor Klima
verlor 4,7%, sackte auf 33,4% und erzielte damit das schlechteste
Ergebnis seit Kriegsende. Der Chef der konservativen ÖVP,
Wolfgang Schüssel, hat jetzt die Qual der Wahl, entweder
eine Koalition mit der SPÖ oder der rechtsradikalen FPÖ
einzugehen. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber empfahl
sogleich öffentlich eine Regierungskoalition mit Haider!
Die Österreicher sind wohl müde geworden, ihre Regierungsparteien,
die sich selbst neutralisierende große Koalition von SPÖ
und ÖVP weiterhin zu unterstützen.
Wer sind die "Freiheitlichen" und wer ist eigentlich
Jörg Haider?
Wer im Parteiprogramm der FPÖ ein klares politisches Profil
sucht, der wird enttäuscht. Alles bleibt verschwommen, aber
das hat wohl System. Wir müssen zwischen den Zeilen lesen.
Im Kapitel "Österreich zuerst" heißt es
in Artikel 4:
»Das historische und kulturelle Erbe Österreichs berechtigt
zum Stolz auf die erbrachten Leistungen, Traditionen und Errungenschaften.
Der daraus erwachsende Patriotismus verpflichtet zu einer selbstbewußten
österreichischen Politik und zu Widerstand gegen die kulturelle
Verflachung, gegen die stärker werdenden Bestrebungen, Traditionen
zu verunglimpfen und Österreich mutwillig herabzusetzen.«
Der Rechtsradikalismus der ÖVP ist wohlverklausuliert und
in das Gewand eines bürgerlichen Wertekonservativismus gekleidet,
der mit Begriffen wie "Volkstum", "Kulturgemeinschaft",
"Ehre", "Anstand" und "Sicherheit"
arbeitet. Viel unverholener hingegen klingen die Parolen im Wahlkampf.
Dort wurde eine massiv ausländerfeindlicheKampagne geführt
unter den Stichworten "Überfremdung" und"Asylmißbrauch".
In Postwurfsendungen wurde mit Angst vor einer Einwanderungsflut
gespielt und Asylanten wurden als kriminell diffamiert. Wir werden
ganz an den Wahlkampf der DVU erinnert.
Schon 1933 sprach Joseph Goebbels von einer Ȇberfremdung
des deutschen Geisteslebens durch das das Judentum.« Die
NS-Propaganda redete von »blutsmäßiger«
Überfremdung. 1995 hielt Haider vor Veteranen der Waffen-SS
eine Rede. Die Mitglieder der SS bezeichnete er als »anständig«.
Das Parteiprogramm der FPÖ fordert ausdrücklich den
»Schutz des deutschen Volkstums«. Haider lobt die
großen Arbeitsanstrengungen im Dritten Reich. Haider ist
im wahrsten Sinne des Wortes ein Populist. Er versteckt seinen
Nationalismus, Rassismus und sein kapitalistisches Denken hinter
dem Auftreten als eleganter Nadelstreifenpolitiker mit Volksnähe.
Geschickt arbeitet er mit den Emotionen der Bevölkerung
wie Identitätsangst und der Angst vor sozialem Absturz.
Haider schürt Ressentiments gegenüber den 9,1% Ausländern
in Österreich. Dabei profitiert er letztlich von den Angriffen
der Regierung auf die Arbeiterklasse und von der Korruption und
Vetternwirtschaft der beiden Regierungsparteien der großen
Koaltion, die schon seit 13 Jahren an der Macht sind.
Lange waren die Österreicher an Vollbeschäftigung gewöhnt
gewesen. 1997 wurden 7% Arbeitslosigkeit erreicht. Die Schere
zwischen Arm und Reich geht auch in Österreich immer weiter
auseinander. Dadurch,daß alle Parteien sich für eine
weitergehende Privatisierung einsetzen,wird dem Populisten Haider
mit seiner "Frischer Wind"-Kampagne der Boden bereitet.
Ähnlich wie in der BRD verlieren die Menschen allmählich
das Vertrauen in die herrschenden Parteien.
Man kann aber nicht davon ausgehen, daß die Nazis jetzt
automatisch durchmarschieren werden. Allerdings erzeugt das politische
Vakuum einen Sog, durch den der braune Dreck gegenwärtig
an die Oberfläche gespült wird. Die österreichischen
Arbeiter sollten ihre bisherige Gegenwehr gegen die Spar-politik
im Bereich von Wohlfahrt und Ausbildung fortsetzen. Eine antifaschistischeKampagne
gab es auch gegen die Wahl von Ex-SS-Offizier Kurt Waldheim zum
Bundespräsidenten. Es ist notwendig, gegen Haider einen
massenhaftenWiderstand von unten aufzubauen, bevor die "Freiheitlichen"
in der Lage wären, ähnlich wie die NSDAP die Arbeiterorganisationen
an der Basis zu zerschlagen.Wie bei seinem letzten Besuch in
Bonn 1993 darf Haider keine Gelelegenheit gegeben werden, seine
menschenfeindliche Politik salonfähig zu machen. Es muß
mit einer Vervielfachung der Angriffe von Nazis auf Migranten
gerechnetwerden. Immer noch bildet die Antifa-Arbeit im Sinne
einer Einheitsfront in ganz Europa eine bedeutende Aufgabe linken
Widerstandes.
Würde Haider in Österreich Fortschritte mit seiner
Nazi-Partei machen, würden die Nazis auch hier Aufwind bekommen.
Sie ziehen ihre Stärke daraus, daß sie auf der Straße
Stärke demonstrieren. Auch wir müssen uns ihnen hier
in den Weg stellen. Eine Niederlage für die deutschen Nazis
ist nämlich auch wiederum eine für die braune Brut
in der Alpenrepublik.
Hoch die internationale Solidarität!
Keinen Fußbreit den Faschisten, in welcher Farbe auch immer
sie auftreten.
Kämpfen wir mit den österreichischen Arbeitern gemeinsam
für eine internationalistische und sozialistische Perspektive!
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