Nichts als die Wahrheit - ist eine reine Lüge !!!
Claudia Wach

Seit längerer Zeit ist der Rechtsruck einst linker Intellektueller in akademischen Kreisen zu spüren. Nun hat der Sog nach rechts auch die Filmschaffenden erfaßt.
Es scheint, als wollten die deutschen Filmemacher und ihre Marionetten die Verbrechen der Nazis verharmlosen und verteidigen.
Seit langem haben oberflächliche und nichtssagende Kinofilme in Deutschland Konjunktur. Aber damit nicht genug. Jetzt ist scheinbar eine Zeit angebrochen, in der man es für nötig hält, dieses Unvermögen mit allen Mitteln zu überbieten.
Das dürfte Roland Suso Richters mit seinem Film Nichts als die Wahrheit geschafft haben: In diesem Film wird über den Faschismus und seine Henker auf eine Art und Weise berichtet, daß einem der Atem wegbleibt und der Brechreiz zu einem natürlichen und spontanen Reflex avanciert.
Inhaltlich geht es in diesem Film um den Naziarzt Josef Mengele, bekannt und berüchtigt wegen seiner bestialischen Experimente an lebendigen Menschen im damaligen Vernichtungslager Auschwitz. Mengele, dargestellt von Götz George, stellt sich, wobei dies eine reine Fiktion ist, der deutschen Justiz und wird dort nicht nur als bemitleidenswerter kranker Mann gezeigt, sondern immer wieder auch als barmherziger Ritter. Und dies insofern, als Mengele doch nur versucht habe, die zum Tode Verurteilten vor dem langsamen Tod in der Gaskammer durch schnellen und sauberen Genickschuß oder Spritze ins Herz zu bewahren. Verfeinert wird dies noch durch eine besonders perverse Strategie der Verteidigung, die es, gespielt von Kai Wiesinger, darauf anlegt, im Zuschauer immer wieder ein Gefühl von Mitleid und Verständnis für Mengele zu erzeugen. Und genau das macht diesen Film so gefährlich. Nicht nur, daß er die Verbrechen des Nationalsozialismus und hier vor allem die Perversitäten des Mengele verharmlost, immerhin ist dieser Sadist maßgeblich für die Ermordung von einigen hunderttausend Menschen verantwortlich.
Darüber hinaus bettelt dieser Film förmlich um des Zuschauers Vergebung und Mitgefühl: Hat denn Mengele letztlich nicht doch nur aus Mitleid mit den Opfern gehandelt?
Nein, das hat er sicher nicht. Oder ist das Zusammennähen zweier Kinder im Bereich der Pulsadern, um nur ein Beispiel zu nennen, besonders nächstenliebend?
Nicht nur, daß Götz George der Film so wichtig war, daß er ihn mit seinem Privatgeld unterstützt hat, er holt aus der Figur des brutalen Killers ein sensibles menschliches Wesen heraus und schafft so Verständnis für die Nazi-Gangster.
Was führen Schauspieler und Regisseur im Schilde mit einem solchen Film? Er selbst begreift ihn als eine Art Thriller - extra angefertigt für die Jugend von heute, die nach seiner Auffassung keinen Bock mehr hat auf dokumentarische Belehrungen. Nichts als die Wahrheit soll demnach eine spannende Alternative hierzu darstellen.
Allerdings bleiben dabei historische Fakten völlig auf der Strecke, was den Regisseur scheinbar nicht sonderlich beeindruckt. Vielmehr liegt ihm daran, ein neues Verständnis für die Vergangenheit Deutschlands zu entwickeln. Frei nach dem Motto: Hätten wir nicht genauso gehandelt? Sollten wir daher nicht endlich aufhören den Mördern von gestern nachzustellen?
Wenn unbegabte, deutsche Regiesseure schon Kinofilme machen müssen, sollten sie wenigstens - vor allem dann, wenn es um den deutschen Faschismus geht - verantwortlich mit ihren Inhalten umgehen. Wir brauchen keine Vergangenheitsbewältigung, die mit Lügen hausiert und bewußt Verführungstaktiken einsetzt.
Mehr noch: Es ist aufs schärfste zu verurteilen, wenn sich neuerdings auch Filmemacher dem Bekenntnis von Walser & Co. anschließen, daß endlich Schluß damit sein muß, sich immer und immer wieder mit dem Faschismus zu beschäftigen.
Es kann und darf nicht darum gehen, Verständnis mit den Nazimördern von gestern zu haben. Vielmehr müssen wir einsehen, daß die braune Pest auch heute noch eine Gefahr darstellt und mit allen Mitteln daran gehindert werden muß, unsere Straßen zu erobern, damit sie nicht die Mörder von morgen werden.
Man muß fast dankbar dafür sein, daß Mengele schon vorher - sprich 1972 - in Brasilien sein jämmerliches Leben lassen mußte, sonst hätte er vielleicht tatsächlich die Möglichkeit bekommen, seine Widerwärtigkeiten als Barmherzigkeit auszugeben. Aber dafür sorgen nun Richter und der "glorreiche" Götz, was wahrscheinlich noch viel medienwirksamer und von daher gefährlicher ist.

Boykottiert dieses miese Machwerk!

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