Wir sind die Stärkeren!

Nur wenige Nazis trauten sich erneut nach Köln.
Nur riesiges Polizeiaufgebot ermöglichte ihren Aufmarsch.
Am 2. Oktober versuchte die NPD durch einen erneuten Aufmarsch durch das Kölner Eigelsteinviertel ihre Niederlage vom 22. Mai diesen Jahres wieder wett zu machen.
Doch obwohl die braune Pest eine große Mobilisierungskampagne starteten und mit 1.000 Nazis gerechnet wurde, tauchten nur etwa 400 von ihnen am Rheinufer in Köln auf.
Etwa 3.000 linke Gegendemonstranten zogen vom Waidmarkt zum Offenbachplatz, wo sich die offizielle Demonstration auflöste. Die große Mehrheit der Leute konnte sich an massiven Polizeiabsperrungen vorbei bis zum Ebertplatz durchgeschlagen. Dort stellten sie sich der Marschroute der Nazis in den Weg.
Ein ganzes Stadtviertel, der Ebertplatz bis hin zum Rheinufer, befand sich im Ausnahmezustand: Polizeiketten, Absperrgitter und sogar Panzer riegelten das gesamte Viertel ab, in dem sich die Nazis trafen, und schützten sie vor den antifaschistischen Demonstranten.
Nur dieses massive und martialische Auftreten der Polizei ermöglichte es den Nazis, zu marschieren. Sie mußten aber isoliert von jedem Publikum von ihrer geplanten Marschroute abweichen und zogen durch menschenleere Straßen.
Prominente wie der Kabarettist Jürgen Becker und Ralph Giordano unterstützten den Aufruf »Köln stellt sich quer«. Doch ein Verbot der Nazi-Demo wurde vom Polizeipräsidenten Rother nicht einmal in Erwägung gezogen. Stattdessen ermöglichte er mit seiner Truppe die braune Propaganda für "Blut und Ehre der Waffen-SS" und "Ausländer raus".
Wie schon im Mai aber auch im Vorfeld der Kommunalwahlen im September (Kundgebungen der Republikaner und der Kameradschaft Köln) können sich die Nazis darauf verlassen, daß der Staat ihnen den Weg im Notfall auch freiprügelt, damit sie ihren Rassismus verspritzen können.
Dazu Ralph Giordano in seiner Grußbotschaft an die Demonstrationsteilnehmer:
»... Aber noch alarmierender ist für mich die unfaßbare Nachricht, daß diese hirnlosen Rassisten die amtliche Genehmigung für ihren Marsch des Hasses, der Intoleranz und der unverblümten Gewaltbereitschaft erhalten haben. Pfui, und abermals Pfui über jeden und alle, die für diese kriminelle Tat verantwortlich sind.
Deshalb unsere Forderung für Gegenwart und Zukunft: keine demokratischen Freiheiten für die Feinde der Demokratie! ...«
Zwar konnten die wenigen Nazis marschieren, aber nur durch die Mithilfe des Staates. Allein hätten sie die Straßen nicht verpestet. Die Linken waren die Stärkeren, auch wenn der Aufmarsch nicht verhindert werden konnte. Noch mal Ralph Giordano:
»Nicht die Schreier von der NPD und ihr verkommenes politisches Umfeld, nicht die CD-Gröler "Judenblut muß spritzen, Judendärme glitschen", nicht diese politischen Analphabeten, nicht sie, ... wir, ihre Gegner von gestern, von heute und von morgen - wir sind die Stärkeren!«
Aber noch alarmierender ist für mich die unfaßbare Nachricht, daß diese hirnlosen Rassisten die amtliche Genehmigung für ihren Marsch des Hasses, der Intoleranz und der unverblümten Gewaltbereitschaft erhalten haben. Pfui, und abermals Pfui über jeden und alle, die für diese kriminelle Tat verantwortlich sind.
Deshalb unsere Forderung für Gegenwart und Zukunft: keine demokratischen Freiheiten für die Feinde der Demokratie!

zurück zum Seitenanfang