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Osttimor und
der Imperialismus
Christian Noll
Kaum hat sich die NATO auf dem Balkan eingerichtet, muß
sie auch schon wieder mit ihren Truppen ins Ausland eilen und
auch die Bundeswehr ist wieder mit von der Partie. In den Medien
wurde über Osttimor lange Zeit genauso Stillschweigen bewahrt
wie über die ca. 40 anderen Kriege die zur Zeit auf der
Welt toben, doch auf einmal sieht sich die Nato wieder als Hüter
der Demokratie und des Menschenrechtes gefordert. Als gäbe
es den Osttimorkonflikt erst seit gestern.
Er ist schon bald so alt wie die Menschheit selbst, eine Wunde
die der Kolonialismus im 17. Jahrhundert hinterlassen hat und
die einfach nicht verheilen will. Damals wurde Timor infolge
der kolonialen Machtkämpfe zwischen Portugal und den Niederlanden
in zwei Hälften geteilt. Osttimor riß sich Portugal
unter den Nagel und Westtimor die Holländer, welche den
Großteil des indonesischen Archipels beherrscht haben.
1945 wurde die Republik Indonesien als freier Staat proklamiert,
Portugal beharrte weiterhin auf seine Herrschaft über Osttimor.
Bis zur portugiesischen "Nelkenrevolution" 1974 blieb
Osttimor eine überseeische Provinz Portugals.
Portugal zog nun, infolge der Derkolonialisierung den Großteil
seiner Truppen aus Osttimor ab und der verbleibende Rest reichte
nicht aus, um eine friedliche Errichtung einer bürgerlichen
Demokratie sicherzustellen. Es entfachte sich ein Bürgerkrieg
um die Macht über den Ostteil der Insel zwischen drei Parteien,
der "Revolutionären Front für die Unabhängigkeit
Osttimors" (FRETELIN), der "Demokratischen Union von
Timor" (UDT) und einer anderen proindonesischen Organisation.
Kurz nach dem Abzug der portugiesischen Kolonialherren drangen
am 7. Dezember 1975 indonesische Truppen von Westtimor in den
Ostteil der Insel ein und annektierten ihn gewaltsam. Am 17.
Juli 1976 wurde Osttimor als 27. Provinz dem indonesischen Staat
angegliedert. Außer Australien hat kein UN-Mitglied die
Staatshoheit Indonesiens anerkannt und so liegt die völkerrechtliche
Verantwortung heute immer noch bei Portugal.
1977 begann die indonesische Luftwaffe, Rebellendörfer auszuradieren,
und die Armeeführung richtete KZ-ähnliche "strategische
Lager" für Umsiedlungsaktionen ein. Rund 150.000 Menschen,
ca. ein Viertel der Bevölkerung Osttimors, sind seit 1975
in direkten oder indirekten Kriegshandlungen umgekommen. Internationale
Menschenrechtsorganisationen werfen der Militärregierung
in Jakarta Genozid vor, bezichtigen sie des Mordes an den Osttimoresen.
Am 2.November 1991 kam es in Dili zu einem entsetzlichen Blutbad,
als indonesische Soldaten auf wehrlose Demonstranten schossen
und mindestens 50, nach Augenzeugen sogar rund 200 Menschen töteten.
Der USA kam die indonesische Annexion von Osttimor 1975 sehr
gelegen. Genau wie die Regierung Suhartos befürchteten auch
die Vereinigten Staaten die Entstehung eines zweiten Kubas, wenn
die linksgerichtete FRETELIN-Partei an die Macht gekommen wäre.
Während der Asienkrise 1998 kam es zu massiven Protesten
an der Regierung Suhartos und schließlich zu Neuwahlen,
nachdem Suharto zurücktrat. Der neue indonesische Präsident
B.J. Habibie, stimmte einem Unabhängigkeitsreferendum unter
Aufsicht der Vereinten Nationen zu, über welches im August
diesen Jahres abgestimmt wurde. Und so rief man am 27. August
450.000 eingetragene Wähler zur Abstimmung über die
Unabhängigkeit Osttimors auf. In 200 Wahllokalen konnten
sie entweder einem Autonomiestatus im Staatenverband mit der
Republik Indonesien zustimmen oder sich für die Eigenstaatlichkeit
aussprechen. Das Referendum stand unter Aufsicht der Vereinten
Nationen.
Die überwältigende Mehrheit entschloß sich für
die Eigenstaatlichkeit und der kommandierende Offizier der Indonesischen
Truppen machte Ernst mit seiner Drohung: »Sollte die Unabhängigkeitsbewegung
gewinnen«, hatte er gesagt, »wird alles zerstört
werden. Osttimor wird nicht mehr so sein, wie es jetzt noch ist.
Es wird schlimmer als vor 23 Jahren werden.«
Die indonesische Armee hat sich zwar schon vor den Wahlen aus
Ost-timor zurückgezogen, an ihrer Stelle metzeln jetzt jedoch
indonesientreue Milizen nieder, die osttimoresische Bevölkerung
weiter, die ebenfalls mit dem indonesischen Militär zusammenarbeitet.
Wie die Nato ins Spiel kam
Wie schon erwähnt, ist Australien die einzige Nation, welche
die Annexion Osttimors durch Indonesien anerkennt und nebenbei
die Dikatatur in Indonesien durch finanzielle Zusammenarbeit,
Waffenlieferungen und die Ausbildung von Soldaten unterstützt.
Das tut Australien natürlich nicht aus purer Freundlichkeit,
sondern um sich die reichen Ölvorkommen im "Timor-Gap"
unter den Nagel zu reißen.
Das ist auch der Grund, warum sich nach Australien jetzt noch
die Nato einmischt und erst einmal Truppen in Form von Sanitätskräften
schickt. Auch das deutsche Kapital hat Beute gewittert und die
Bundeswehr ist mit einem eigenen Sanitätskontingent wieder
mit dabei. Den Völkermord an den Osttimoresen kann man leider
nicht mit Sanitätern beenden.
Das weiß die Nato natürlich auch und sie wartet nur
auf den Zwischenfall der ihr einen militärischen Einsatz
legitimiert, damit sie ihre imperialistischen Interessen wie
im Kosovo unter dem Deckmäntelchen der Humanität durchsetzen
kann. Doch wenn es ihr wirklich nur darum ginge, das Morden in
der Welt zu beenden, dann würde sie dasselbe in Sri Lanka
und Kurdistan tun. Doch in Sri Lanka gibt es kein Öl und
in Kurdistan will sie ihren militärischen Brückenkopf
in den Mittlere Osten, die Türkei, nicht vergrämen.
Momentan wird noch im Sinne humanitärer Hilfe gehandelt,
was man angesichts der schlimmen Lage nicht ablehnen durfte,
deshalb konnten wir auch nicht wie im Kosovokonflikt fordern:
Nato raus aus Timor.
Allerdings müssen wir verurteilen, daß Australien
und die Nato nicht bedingungslos die Timoresen bewaffnet, die
proindonesischen Milizen verjagt und den Aufbau eigenständiger
Strukturen gefördert haben.
Was wir fordern, ist die Verwirklichung der Unabhängigkeit,
für die die Osttimoresen gestimmt haben und die Übergabe
Ost-Timors an eine Übergangsregierung, bis Wahlen stattfinden
können.
*Sofortige Übergabe der Macht an eine
osttimoresische Übergangsregierung!
*Keine Natoherrschaft!
*Für eine wirkliche Unabhängigkeit Osttimors - ohne
Einfluß von Nato und Australien!
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