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Die bittere Ernte genmanipulierter Lebensmittel
Stewart Gardiner
Es ist abzusehen, daß gentechnisch veränderte Lebensmittel
zu einem wichtigen politischen Thema im ersten Jahrzehnt des
neuen Jahrhunderts werden.
In Teilen von Europa hat öffentlicher Druck von Verbraucher-
und Umweltschutzgruppen dazu geführt, daß genmanipulierte
Lebensmittel gesetzlich gekennzeichnet werden müssen. Ähnliches
wird von den australischen und neuseeländischen Behörden
in Erwägung gezogen.
Die harte Linie der Europäer könnte sich zu einem Handelskrieg
ausweiten. Die USA haben als Antwort Sanktionen angedroht, wenn
die EU den amerikanischen Anbietern wie Monsanto nicht freien
Zugang zum europäischen Binnenmarkt ermöglicht.
In der Zwischenzeit kam ein Skandal in Großbritannien ans
Licht, der von den Forschungsergebnissen Dr. Arpad Pusztais ausgelöst
wurde. Seine Forschungen hatten ergeben, daß bei Ratten,
die mit genmanipulierten Kartoffeln gefüttert wurden, Veränderungen
der Magen-Zellstrukturen festgestellt werden konnten. Pusztai
wurde entlassen und seine Forschungsergebnisse - ein Jahr nach
Veröffentlichung - für nichtig erklärt. Seine
Arbeit wurde aber wissenschaftlich rehabilitiert, als sie kürzlich
im renommierten medizinischen Journal 'Lancet' veröffentlicht
wurde. Weitere wissenschaftliche Veröffentlichungen haben
ernsthafte Zweifel an der von den Biotech-Herstellern garantierten
Sicherheit von genmanipulierten Lebensmitteln wachgerufen.
Die Konzerne entschlüsseln seit Jahren die genetischen Codes
von Tieren und Pflanzen. In den USA haben die Konzerne sogar
ganze Organismen patentieren lassen, und beanspruchen das "Eigentumsrecht"
an Arten für sich, nachdem sie ein einziges Gen hinzugefügt
oder manipuliert haben.
Dies bedroht Milliarden Jahre der langsamen Evolution, in der
die Arten sich an die wechselnden Lebensbedingungen auf der Welt
angepasst haben. So sieht die ultimative Logik des Kapitalismus
aus, der versucht, jede natürliche Beziehung mit einer durch
Geld vermittelte, entfremdete und künstliche Beziehung auszutauschen.
Die gentechnische Veränderung von Pflanzen, die sie resistent
gegen natürlichen Befall machen soll, bedroht die Diversität
der Lebensformen, und könnte Getreide in unkontrollierbares
Unkraut verwandeln.
Ohne natürliche Feinde könnten solche Arten in Nischen
eindringen, die bislang von "schwächeren" Pflanzen
eingenommen werden, die aber nicht die neue Super-Gen Abwehr
haben.
Bauern in der Dritten Welt werden direkt von Firmen wie Monsanto
bedroht, die Lizenzen auf das Anpflanzen ihres Saatgutes verkaufen
- und dann Privatdetektive benutzen, um die Bauern ausspionieren
zu lassen, die sie verdächtigen, Saat von patentierten Arten
gesammelt zu haben.
Das Terminator-Gen
Seit die Menschheit den Ackerbau betrieben hat, wird ein Teil
der Ernte aufbewahrt, um es in der nächsten Saison wieder
als Saatgut zu verwenden.
Die Biotech-Konzerne wollen sich nun in diesen natürlichen
Prozess drängen, der bislang außerhalb der Geldwirtschaft
stand.
Monsanto hat mittlerweile eine neue und potentiell tödliche
Gentechnik patentiert, das sogenannte "Terminator"-Gen,
ein Gen, das die Samen einer Ernte unfruchtbar macht.
Öffentlicher Druck hat dazu geführt, daß Monsanto
von seinen Plan, diese Terminator-Technologie zu verwenden, Abstand
nehmen musste. Aber der Konzern hat nicht aufgehört, weiter
an diesem Projekt zu forschen.
Diese Technologie könnte sich dahingehend auswirken, daß
aus Bauern vertragsgebundene Diener eines Saatgut-Konzerns gemacht
werden, da sie von ihrer eigenen Ernte nicht mehr säen könnten.
Sie wären gezwungen, jedes Jahr Saatgut von Monsanto zu
kaufen.
Einige Wissenschaftler warnen sogar davor, daß das Terminator-Gen
auf die Genstruktur von "wildwachsenden" Pflanzen überspringen
und sie in einer oder zwei Generationen für immer auslöschen
könnte.
Eine Lösung für den Hunger in der Welt?
Die Biotechnologie-Konzerne wollen uns weismachen, daß
genmanipulierte Lebensmittel das Potential dazu haben, den Hunger
auf der Welt zu beenden.
Dieses Argument übersieht die Tatsache, daß es sich
bei Armut und Hunger im wesentlichen um politische Probleme handelt,
die das Resultat der ungerechten Verteilung der Ressourcen der
Welt sind. Die Vereinten Nationen berichteten kürzlich,
daß etwa die Hälfte der Weltbevölkerung täglich
weniger Protein zu sich nimmt, als eine durchschnittliche amerikanische
Hauskatze.
Wie bei so vielen anderen Technologien auch, die unser Leben
verbessern könnten, unterliegt leider auch die Gentechnologie
dem Profitinteresse der Riesenkonzerne.
Übersetzung des Artikels aus 'Socialist Alternative',
der Monatszeitung unserer australischen Genossen.
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