|
|
Warum die "Erika"
gesunken ist
Warum die Profite die Umwelt bedrohen
Im Durchschnitt zwei Mal pro Jahr geschieht irgendwo in Küstennähe
ein Tankerunglück. Dieses Mal ist die französische
Antlantikküste - wie bereits im März 1978, als die
Amoco Cadiz an der Nordwestküste auf Grund lief und 223.000
Tonnen Öl ins Meer flossen - erneut betroffen. Am 12.
Dezember zerbrach der mit 30.884 Tonnen Öl beladene Tanker
"Erika" bei schwerer See, wodurch ca. 12.000 Tonnen
Öl ins Meer gelangten. Während der sich ausbreitende
Ölteppich zunächst aufgrund günstiger Winde parallel
zur französischen Küste trieb, erreichte er mit dem
Orkan in der Nacht zum 24. Dezember das Festland. Mittlerweile
ist die Küste auf einer Länge von mehr als 400 Kilometern
mit einer bis zu 50 cm dicken Ölfilm verschmutzt und zig
Tausende Meeresvögel haben in der zähen schwarzen Masse
bereits den Tod gefunden.
Aber dies stellt vermutlich erst den Anfang der Katastrophe dar,
da in dem Bug und Heck des zerbrochenen Tankers, welche sich
in 120 Metern Tiefe befinden, noch zwei Drittel der Ladung nur
darauf warten, auszulaufen. Gezeigt hat sich aber jetzt bereits
die Ohnmacht der Rettungskräfte angesichts einer solcher
Katastrophe. So sind Versuche, das Öl mit Hilfe von Pumpen
aufzusaugen, kläglich gescheitert, da die zähe Konsistenz
des Öls die Pumpen innerhalb kürzester Zeit verstopft
hat. Auch das Bemühen, den Ölteppich mittels aufblasbarer
Barrieren einzudämmen, blieben aufgrund des Wellengangs
erfolglos. Außerdem standen sowieso nur 20 Kilometer dieser
Barrieren zur Verfügung, was der blanke Hohn ist, angesichts
der Tatsache, dass vor der französischen Küste tagtäglich
Dutzende Tanker verkehren.
Ebenfalls hat sich gezeigt, dass - wie immer nach solchen Katastrophen
- jeder die Schuld von sich weist und keiner zur Verantwortung
gezogen wird, mit Ausnahme des Kapitäns, der in Untersuchungshaft
sitzt, obwohl ihn vermutlich die geringste Schuld trifft. Er
wollte bereits einen Tag vor dem Unglück den französischen
Atlantikhafen Saint-Nazaire anlaufen, weil er einen Riss im Rumpf
entdeckt hatte. Das wurde ihm von den Behörden verboten,
da sie eine Gefahr für die Umwelt an der Loire-Mündung
befürchteten.
Die tatsächlich Verantwortlichen an diesem und vielen anderen
Tankerunglücken sind die Herren in den Vorstandsetagen der
Mineralölkonzerne. Der Vorstandschef von Total Fina, der
den Tanker "Erika" gechartert hat, gibt aber den "Schwarzen
Peter" an die italienische Firma Panship Management weiter,
die Eigentümer des Tankers ist. Die wird sich ihrerseits
darauf berufen, dass die "Erika" noch am 12. November
in Russland auf ihre Sicherheit hin überprüft wurde.
Diese Sicherheitsprüfung erfolgt gemäss internationalen
Regeln, die sich aber nur auf den sichtbaren Bereich des Rumpfes
und die Papiere beschränken.
Einer Untersuchung von 1995 zufolge wurde der Zustand jedes fünften
Tankers als schrottreif bezeichnet. Viele der bereits Mitte der
70er Jahre gebauten Tanker fahren heute noch, obwohl sie bereits
nach 10-15 Jahren mehr oder weniger ausgedient haben. Zudem besitzen
die wenigsten doppelte Wände - so auch die "Erika"
-, die zumindestens einen gewissen Schutz vor dem Zerbrechen
darstellen. Diese Tatsachen zeigen, dass der Transport von Öl
mittels Tankern eine extrem unsichere Angelegenheit ist, daran
können auch halbherzige Sicherheitskontrollen nichts ändern.
Nationale Auflagen haben dazu geführt, dass immer mehr Reedereien
ihre Schiffe "ausflaggen", d.h. in Ländern wie
Lybien, Panama oder - wie im Fall der "Erika" - auf
Malta registrieren. Das hat den Vorteil, dass sie an Bord unterbezahlte
Matrosen beschäftigen dürfen. Die Ölkonzerne,
die untereinander im harten Konkurrenzstreit stehen, werden natürlich
für den Transport ihres Öles möglichst die billigsten
Tanker chartern; um die daraus entstandenen Sicherheitsrisiken
scheren sie sich einen Dreck.
Hätte z.B. Total Fina einen Tanker unter französischer
Flagge mit Doppelwand-Rumpf und tariflich bezahlter Mannschaft
gemietet, wäre dies 25% teuerer gewesen. Das kann sich Total
Fina aber nicht leisten, zumal sie erst vor kurzem mit dem Elf-Konzern
fur 35 Mrd. DM fusioniert ist. Aber nicht nur bei Tankerunglücken,
die mit Regelmässigkeit die Öffentlichkeit aus ihrem
Tiefschlaf reissen, wie jetzt erneut im Falle Istanbuls, werden
die Meere mit Öl verseucht; auch abseits jeglicher Medienpräsenz
gelangt ständig und schleichend Öl in die Meere, wie
z.B. beim illegalen Auswaschen von Öltanks auf hoher See,
Raffinerieabfällen, die in die Flüsse geleitet werden
oder bei Schlampereien in Ölhäfen. Ein amerikanisches
Institut schätzt die Menge auf 3 Mio. Tonnen, soviel wie
bei den 40 schwersten Tankerunglücken zwischen 1983 und
1993. Aber auch hierbei ist die Ursache im Konkurrenzstreit mit
seiner Profitgier zu suchen. Auf der Strecke bleiben Mensch und
Natur.
Die Lösung liegt jetzt aber nicht in dem Erlass härterer
Vorschriften, weil hierbei alle Länder gleichziehen müssten.
Aber gerade ärmere Länder (und auch einige reiche)
bieten Firmen niedrige Umweltstandards, um auf diese Weise einen
Teil vom Kuchen abzubekommen. Wollte man härtere Vorschriften
durchsetzen, bräuchte man also eine Weltregierung, die ihre
Erlässe auch durchsetzen kann. Wollte man eine solche Institution
aber im Kapitalismus installieren, würde das einen Weltkrieg
bedeuten, denn keine Nation hat jemals freiwillig ihre Herrschaft
abgetreten.
So ist die einzig mögliche Alternative das Errichten einer
solidarischen Weltgemeinschaft, auch Kommunismus genannt, denn
der Kapitalismus wird die Umwelt langfristig zugrunde richten,
da er nur an seinen kurzfristigen Profit denkt.
zurück zum Seitenanfang |