Erzbischof Dyba:
    Der Glöckner von Fulda endlich im Himmel
    Claudia Wach

    Der Monat Juli beförderte den allseits bekannten Bischof Dyba plötzlich, wie von Gottes Hand gelenkt, ins ewige Jenseits. Seine Zeit ist abgelaufen. Jetzt kann er sich auf den Tag seines jüngsten Gerichts freuen - bissige Töne für einen aggressiven und vor allem erzkonservativen Führer der Katholiken.
    Es stellt sich die Frage, ob durch den Tod Dybas dem Großteil der Menschheit in irgendeiner Weise etwas Wertvolles verloren gegangen ist. Schaut man zurück - und hier vor allem auf seine Stellungnahmen, Meinungen und Aktionen - so ist es ein Leichtes, diese Frage mit einem eindeutigen Nein zu beantworten.
    Nun ist es wirklich nicht neu, dass die katholische Kirche in der Geschichte des Kapitalismus noch nie einem fortschrittlichen Gedanken gefrönt hat. Wenn es aber darum ging, dem religiösen Wahnwitz in Sachen menschenverachtender Forderungen noch einen drauf zu setzen, dann war es in fast jedem Fall der katholische Militärbischof für die deutsche Bundeswehr - Dr. Johannes Dyba.
    Nicht nur, dass er als Vorreiter für die katholische Kirche entschied, aus der Schwangerschaftsberatung auszutreten und keine Beratungsbescheinigungen mehr auszustellen. Insbesondere durch seine primitive Kritik an gleichgeschlechtlichen Ehen machte er auf sich aufmerksam.
    Wenn man nun bedenkt, dass Dyba einerseits ein fanatischer Vertreter und selbsternannter Schützer des ungeborenen Lebens und andererseits der Militärbischof schlechthin war, dann müsste doch ein innerer Widerspruch auffallen. Wie in alles in der Welt passt nun das zusammen? Hier stinkt es vor Doppelmoral förmlich bis zum Himmel. Dybas Kreuzzug gegen Schwangerschaftsabbrüche, homosexuelle Ehen oder auch Aids-Kranke richten sich, wie unschwer zu erkennen ist, immer gegen Minderheiten, die scheinbar den heiligen Werten des christlichen Abendlandes nicht entsprechen. Aber was ist das für ein Abendland, in dem vor allem sozial Benachteiligte von der Kirche, die doch eigentlich Allen mit Nächstenliebe begegenen will, ausgegrenzt und diskriminiert werden.
    Hier erübrigt sich jegliche Theatralik: Wir haben nie etwas anderes erwartet. Die Kirche und hier insbesondere ihre erzkonservativen Vertreter wollen keine bessere Gesellschaft, in der man selbstbestimmt und emanzipiert lebt, sondern eine von Gottes Hand gelenkte Welt, die dank des Kapitalismus Richtung Untergang steuert. Um diese Tatsache zu verschleiern und von ihr abzulenken, hat die christliche Institution, und Allen voran ihre reaktionäre Speerspitze Dyba, aus Minderheiten Sündenböcke gemacht, auf die zur ideologischen Treibjagd geblasen wurde. Für die Kirche wurden Aids-Kranke so förmlich zu den auserkorenen Opfern eines Gottesfluches und homosexuelle Ehen zu Wegbereitern krankhafter Sexualpraktiken.
    So haben wir an Dyba nichts verloren, außer einen Feind im Kampf für eine gerechte Welt. Wenn Dyba fordert, dass der Mensch sein Leben Gott unterordnen soll, dann igoriert er einfach, dass der Feudalismus bereits vorbei ist und wir nun in einer kapitalistischen Gesellschaft leben, in der durch den entfesselten Konkurrenzkampf so etwas wie Individualismus entstanden ist. Und um diesen Alles vernichtenden Kampf zu beenden, hilft es nicht, sich einem erfundenen Gott unterzuordnen, in dessen Namen nicht gerade wenige Kriege geführt worden sind. Wir kämpfen für eine Welt, in der wir uns nur nach unseren eigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten richten müssen, nicht nach Religionen oder Erfordernissen der Konkurrenz, die einer wirklichen Entfaltung der Individualität nur im Wege stehen.
    So lange wir allerdings immer noch nicht nach unseren eigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten leben können, sollten wir keine Ruhe geben, auch dann nicht, wenn die Kirche noch vorher auf dem Müllhaufen der Geschichte landen sollte.
    Letztlich genügt es nicht, einzelne erzkonservative Katholiken oder Politiker zu bekämpfen. Das Übel muß sozusagen an der Wurzel gepackt werden, und die ist nach wie vor das hiesige Konkurrenzsystem mit all seinen perversen Auswirkungen.